Wenn sich Jörg Bragulla und Bruno Baacke treffen, bedeutet das vor allem eins: Kultur.
Die beiden besuchen gemeinsam Konzerte, Jam-Sessions oder Museen und tauschen sich dabei aus. Im Frühjahr 2026 lernten sie sich als Kulturtandem in der Freiwilligen-Agentur kennen.
Jörg Bragulla erinnert sich: „Ich war über den Allgemeinen Behindertenverband in Halle-Neustadt bei einer Veranstaltung, in der das Projekt vorgestellt wurde. Das hat sofort mein Interesse geweckt, weil ich mir jemanden gewünscht habe, mit dem ich Kulturveranstaltungen besuchen kann.“
Dass der Telefonist aus dem Universitätsklinikum Halle einige Zeit später auf einen Studenten traf, überraschte ihn – hatte er doch nicht damit gerechnet, dass sich auch jüngere Menschen für ein Ehrenamt als Kulturpate anmelden. Für Bruno Baacke hingegen war das ganz selbstverständlich:
„Ich habe den Projektflyer in der Unibibliothek gesehen und dachte, ich probiere das einfach mal aus. Ich finde Inklusion wichtig und wollte gern etwas Sinnstiftendes neben meinem Studium machen.“
Er schrieb eine Mail an die Freiwilligen-Agentur Halle, die als Initiatorin das Projekt begleitet und passende Tandems zusammenstellt. Bei einem ersten Kennenlerntreffen wurden beide einander vorgestellt und entschieden schnell, es miteinander zu versuchen. Das funktioniert ausgezeichnet: Seit April besuchen sie nun zwei Mal im Monat verschiedenste Veranstaltungen in ganz Halle und lernen dabei nicht nur die örtliche Kulturszene, sondern auch ihre jeweiligen Lebenswelten besser kennen.
„Mich beeindruckt an Jörg, dass er wenig Berührungsängste hat, vieles einfach ausprobiert und da ganz offen ist. Egal wo wir hingehen: Er hat immer Interesse und ist neugierig.“, erklärt der Physikstudent.
Und Jörg Bragulla ergänzt: „Bruno läuft, als hätte er schon immer blinde Menschen geführt. Außerdem kann man sich mit ihm sehr gut über Gott und die Welt unterhalten. Das ist wirklich schön.“
Für beide steht bei den gemeinsamen Aktivitäten daher vor allem das Miteinander im Mittelpunkt – was sie unternehmen, ist zweitrangig. So lässt sich Bruno gern auf Jörgs Vorschläge ein und hat mit ihm etwa das Konzert einer Tribute-Band von Pink Floyd besucht. Doch auch für die Zukunft mangelt es dem Tandem nicht an Ideen: In den nächsten Monaten stehen ein Besuch in der Moritzburg und ein Töpferkurs auf der gemeinsamen To-do-Liste.
Mit ihrer Patenschaft zeigen beide eindrücklich, wie das Projekt „Kulturzeit für alle“ Menschen auch über ihr gewohntes soziales Umfeld hinaus zusammenbringt und miteinander verbindet. Diese Erfahrung ist im besten Falle für alle Seiten eine Bereicherung.
„Man muss es einfach ausprobieren und sich darauf einlassen – wenn es nicht funktioniert, hat man immer auch die Möglichkeit, eine neue Person kennenzulernen.“, empfiehlt Jörg.
Seine Entscheidung, sich zu melden, bereut er also nicht. Ganz im Gegenteil ist er gespannt auf alles, was er gemeinsam mit Bruno noch erkunden darf.
Wir wünschen den beiden alles Gute für ihre Zukunft als Kulturtandem!
Das Projekt „Kulturzeit für alle – gemeinsam mehr erleben!“ wird von Aktion Mensch und der Beisheim Stiftung gefördert, herzlichen Dank!
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Hier gibt es Informationen zu „Kulturzeit für alle“
Interview, Text und Foto: Jasmin Brückner

