Mehr als nur ein Projekt: Warum aus einem Kulturtandem eine Freundschaft wurde

„Ich mach‘ das jetzt einfach – irgendwie kriegen wir das hin.“

Dieser kleine Mutausbruch war es, der Nadine Sänger in ein besonderes Projekt brachte. Kurz zuvor war die 39-Jährige mit ihrer Familie über den halleschen Marktplatz geschlendert, auf dem gerade an diesem Tag anlässlich des Europäischen Protesttags für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auch die Freiwilligen-Agentur Halle mit einem Infostand vertreten war. Das Projekt „Kulturzeit für alle“ fiel ihr dabei sofort ins Auge:

„Ich bin sehr kulturinteressiert und hatte Lust auf ein Projekt, in dem ich mich trotz meines Familienalltags beteiligen konnte. Deswegen habe ich mich nach kurzer Überlegung einfach spontan angemeldet.“

Ungefähr ein Jahr ist diese Entscheidung nun her – seitdem hat sich viel getan. Denn das Projekt „Kulturzeit für alle“ bringt Menschen mit und ohne Behinderung in Tandems zusammen, die nach Verabredung Kulturveranstaltungen aller Art besuchen. So dauerte es nicht lang, bis Nadine Sänger auf Sandy Pfeil traf, die sich ebenfalls für das Projekt gemeldet hatte.

„Ich habe über meine Rollstuhltanzgruppe davon gehört und wollte es gern ausprobieren“, erzählt sie.

Nach einem ersten Treffen zum Kennenlernen merkten beide schnell, dass die Chemie miteinander stimmt.

„Wir hatten einen wunderbaren Auftakt im Kino zusammen. Und seitdem haben wir uns zu vielen schönen Veranstaltungen wie Konzerten, Theaterbesuchen oder im Museum verabredet – nur das Planetarium steht noch aus“, erzählt Nadine Sänger. Und Sandy Pfeil ergänzt: „Es ist schön, so etwas gemeinsam zu unternehmen und sich danach austauschen zu können. Außerdem ist es für mich allein oft komplizierter, mit meinem Rollstuhl zu den Veranstaltungsorten zu kommen.“

Fragen nach der Erreichbarkeit und Barrierefreiheit gehören für die Rollstuhlfahrerin zum Alltag. Für Nadine Sänger bedeuten sie in erster Linie einen anderen Blick auf die Welt:

„Ich habe durch meine Kinder und den Kinderwagen natürlich schon gemerkt, dass die Stadt in Teilen nicht barrierefrei ist . Aber das hier hat meinen Blick auf die Welt noch einmal erweitert, weil wir an ganz andere Grenzen gekommen sind.“

Gleichzeitig steht im Projekt nicht das Thema Behinderung, sondern der gemeinsame Austausch im Mittelpunkt. Und so ist es keine Überraschung, dass sich zwischen den beiden Frauen inzwischen eine Freundschaft entwickelt hat, die weit über die Patenschaft hinausgeht. Dabei ergänzen sie sich gut: Sandy Pfeil bringt häufig Ideen und Impulse für gemeinsame Unternehmungen ein, für die Nadine Sänger im Familienalltag manchmal die Kapazitäten fehlen. Diese unterstützt wiederum bei der praktischen Umsetzung.

Am Ende können beide zusammen eine Kulturveranstaltung genießen, die sie sonst nicht besucht hätten – eine Win-Win-Situation. Ergänzt werden die Einzeltreffen außerdem von Veranstaltungen aus dem Projekt, bei denen sich die Tandems auch untereinander in einer größeren Gruppe kennenlernen und austauschen können.

So darf es in Zukunft gern für beide weitergehen:

„Wir hoffen, dass wir noch viele weitere schöne Erlebnisse gemeinsam haben werden. Und dass sich natürlich noch viele Menschen für das Projekt begeistern und hier zusammenfinden.“

Wir wünschen dabei alles Gute!

Das Projekt „Kulturzeit für alle – gemeinsam mehr erleben!“ wird von Aktion Mensch und der Beisheim Stiftung gefördert, herzlichen Dank!

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Hier gibt es
Informationen zu „Kulturzeit für alle“ 

Infos zum Projekt

Freiwilligen-Agentur Halle (Saale) e.V. "Kulturzeit für alle - gemeinsam mehr erleben!"